Jahrgangsübrgreifendes "JÜ" Lernen:

 

Die Entwicklung von Schule und Unterricht hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr am einzelnen Kind orientiert. Ein enormer Schub kam durch den Bildungsplan von 2004. Die Lerninhalte werden nicht mehr verbindlich vorgeschrieben. Im Mittelpunkt steht ein erweiterter Lern- und Leistungsbegriff, der neben den fachlichen auch die personale, soziale und methodische Kompetenz beinhaltet.

Schule nach diesem Muster stellt ganz neue Aufgaben an die Lehrerschaft, Schülerinnen und Schüler (SuS) aber auch an die Eltern. Die Reinhold-Schneider-Schule reagierte im Schuljahr 2007/08 mit dem Aufbau von drei Familienklassen, in denen die SuS  jahrgangsübergreifend unterrichtet wurden. In den ersten Jahren kam stetig ein weiterer Jahrgang dazu, bis wir schließlich seit 2010/11 alle vier Grundschuljahre in einem Klassenverband unterrichten. Welche Jahrgänge zu einer Lerngruppe zusammengefasst werden, hängt zunächst einmal vom Bundesland ab. (Bei Ländern mit sechsjähriger Grundschulzeit kann man sich leicht an den Modellen der Reformpädagogen M. Montessori und P. Petersen orientieren, die jeweils Lerngruppen aus Erst- bis Drittklässler sowie Viert- bis Sechstklässlern bilden.) Der Erfolg dieses Arbeitens und das Interesse der Eltern wuchsen stetig, wodurch wir inzwischen schon fünf jahrgangsübergreifende Klassenverbände einrichten konnten.

Der große Erfahrungsschatz aus der Arbeit in den Familienklassen wurde in das Kollegium getragen und allmählich wuchs das Interesse, gemeinsam in Teams jahrgangsübergreifend zu unterrichten, um den Gewinn für alle SuS unserer Schule nutzbar zu machen.

Es stellte sich für uns nur die Frage wie wir die jahrgangsgemischten Lerngruppen bilden. Bleiben wir bei dem Modell Erst- bis Viertklässler, das aus der vierjährigen Grundschulzeit in Baden-Württemberg entspringt oder orientieren wir uns am Bildungsplan, der die 1. und 2. sowie die 3. und 4. Klasse als Einheit im Kompetenzerwerb sieht.

Da in unserem Kollegium der große Wunsch gewachsen ist,  gemeinsam nach einem Modell zu unterrichten, haben wir in einer Gesamtlehrerkonferenz (GLK) im Juli 2012 beschlossen den jahrgangsübergreifenden Unterricht mit der Kombination 1/2 und 3/4 einzuführen.

Mit der Einschulung 2013/14 möchten wir nur noch mit jahrgangsübergreifenden (JÜ) Klassen starten. Das heißt, dass die zukünftigen Erstklässler in bestehende Klassen integriert werden oder in eine JÜ-Klasse kommen, die im Aufbau ist. (Die bestehenden Jahrgangsklassen bleiben allerdings bis zum Ende der Grundschulzeit erhalten.) In den folgenden Jahren wird es nur noch Lerngruppen mit Erst- und Zweitklässlern und Dritt- und Viertklässlern geben.

Die Vorteile sehen wir in folgenden Punkten: 

·         Die SuS profitieren von einem besonders individualisierten Unterricht, der

          an ihrer persönlichen Lernvoraussetzung orientiert ist.

 

·         Durch offenere Unterrichtsformen entwickeln die SuS zunehmend

          Kompetenzen im Bereich des selbstständigen Handelns.

 

·         Soziale Lernprozesse werden in besonderem Maße gefördert. Die Kinder

          haben die Chance -im Verlauf der jährlich wechselnden 

          Gruppenprozesse- verschiedene Rollen zu übernehmen. So sind sie mal

          die Großen, die etwas erklären können und mal diejenigen, die sich

          etwas erklären lassen müssen.

 

·         Der Übergang vom Kindergarten erfolgt problemloser und kindgemäßer,

          wenn das vertraute Prinzip der Altersmischung beibehalten wird.

 

·         Jedes Klassenzimmer verfügt über die Lernmaterialien von mehreren

          Schuljahren. Somit ist immer Material für besonders begabte Kinder

          präsent, die dann auch leichter einen Jahrgang überspringen können.

 

·         In der Eingangsstufe (1/2) kann ein Kind drei Jahre verbleiben. Dies ist

          gerade für die früheren Einschulungstermine von Bedeutung. 

 

Das heißt aber auch, dass in den bestehenden Familienklassen nur noch zwei Jahrgänge zusammen unterrichtet werden. Diesen Prozess haben wir schon in diesem Schuljahr eingeleitet, wodurch im nächsten Schuljahr noch die jetzigen Zweit- und Drittklässler der F2 und F3 in der F1 oder F4 weiter geführt werden.

In der Schulkonferenz am 27.11.12 haben wir die konkreten Umsetzungsschritte vorgestellt und  (ohne Gegenstimme) beschlossen im neuen Schuljahr zu starten.

Wir sind überzeugt, dass diese Weiterentwicklung unsere Unterrichtsarbeit entscheidend voran bringt. Als Kollegium freuen wir uns auf diese neue Herausforderung und wollen die verbleibenden Monate nutzen, um uns intensiv vorzubereiten.

S. Nagel-Jung

Schulleiterin

November 2012